Hotel-Restaurant Hinterding in Lengerich

Am Freitag wollten wir mit ein paar Freunden im Rahmen einer kleinen Feier einen gemütlichen Abend mit gutem Essen verbringen. Das Restaurant Hinterding ist mir von einem Slow-Food-Abend in guter Erinnerung gewesen, es wirkte irgendwie „heimelig“. Eine kurze Recherche im Internet ergab, dass Ewald Hinterding seit langen Jahren Koch ist und seit 1985 ununterbrochen einen Michelinstern hat. Das in Verbindung mit der unprätentiösen Darstellung des Restaurants (keine eigene Website!) gab den Ausschlag.

Hotel-Restaurant Hinterding

Tja, wie beschreibt man einen solchen Abend? Es war wie ein Rausch an positiven Erlebnissen, der immer noch nachhaltig in der Erinnerung ist und nur schwierig in Worte zu fassen ist. Ich versuch’s mal mit der Kategorisierung von Arthurs Tochter, die alle Aspekte einer solchen Lokation gut beschreibt und die sie mir freundlicherweise für so einen Fall freigegeben hat.

Der Vorabservice
Wir waren auf der Rückreise unseres Urlaubs dort und haben unseren Wunsch gleich vor Ort diskutiert. Termin ging in Ordnung, das Buchen der 3 Hotelzimmer auch (Das Haus hat nur 5 Zimmer, so hatten wir Glück).
Eine genaue Durchsprache des Menüs ging nicht, auch später am Telefon gab es nur eine etwaige Richtung, die wir diskutierten. Herr Hinterding arbeitet anscheinend eher „spontan“ und ich wollte ihn nicht in eine Richtung drängen. Nichts für schwache Nerven, aber ich war entspannt und vermutete, das es schon was Gutes geben würde.

Das Ambiente
Das Haus ist eine gut erhaltene / renovierte Jugendstilvilla. Der Haupteingang führt direkt in den Vorraum mit dem Tresen, der hier eigentlich nur dem Aussschank dient und nur eine kleine Sitztheke bietet. Sehr schön sind in diesem Vorraum ein paar kleine Tische und eine Lederbank, auf der man sich vorab niederlassen kann. So haben wir dort unseren Aperitif getrunken und gewartet, bis alle aus den Hotelzimmern versammelt waren.

Foyer bei Hinterding

Das Restaurant selbst ist in dezenten Farben und mit weniger aber geschmackvoller Dekoration so eingerichtet, dass man sich gleich wohlfühlt. Ein wenig Holztäfelung, ein paar große Pflanzen und eine gekonnte zurückhaltende Tischdekoration sorgten für Behaglichkeit.

Die Hotelzimmer sind groß, schön in Jugendstil-Art eingerichtet, mit guten Betten versehen, ruhig gelegen und für diesen Standard preiswert. Sie scheinen extra für Restaurantgäste gemacht, die den Abend genießen wollen und nicht mehr nach Haus fahren wollen.

Anfahrt/Parkplätze
Das Haus liegt nahe dem Zentrum von Lengerich und ist gut von der A1 aus zu erreichen. Parkplätze gibt es am Haus und auf der Straße. Die Einfahrt ist schmal und auf dem vorderen Parkplatz macht sich ein kunstvoll drapierter Steinhaufen an den Frontspoilern zu schaffen, die über ihn entlangkratzen.

Menü- und Getränkekarten
Zur Standardkarte kann ich leider nichts sagen. Die für uns erstellte Menükarte war knapp aber aussagekräftig. Getränke haben wir uns empfehlen lassen. Die Weinkarte enthält eine kleine aber feine Auswahl mit guten Beschreibungen, allerdings habe ich sie im Detail nicht studiert.

Die individuell angefertigten Menükarten wurden uns in Rechnung gestellt

Hinterding Menü

Der Service
Das kleine Restaurant ist mit 2 Servicekräften gut ausgestattet. Wir wurden den ganzen Abend hervorragend betreut.

Am Ende des Abends haben wir uns im Foyer noch mit Ewald Hinterding unterhalten können, der uns zu einer Brand-Kostprobe einlud, von seiner Handwerkskunst erzählte und uns abschließend auch noch auf Trompete und Querflöte eine Kostprobe seines künstlerischen Schaffens gab. Wir haben uns sehr wohlgefühlt!

Service Hinterding - Chef mit Trompete

Die Küche
Um es vorweg zu sagen – wir wurden nicht enttäuscht. Alle Menügänge waren hervorragend und sorgfältig mit unspektakulären Zutaten zubereitet. Wir hatten vorweg um wenig „Exotik“ gebeten, da wir empfindliche Esser dabei hatten. Das passte anscheinend gut ins Konzept.

Zunächst ein Gruß aus der Küche – ein gestürzer, gelierter Kürbisschaum, asiatisch angehaucht mit Kokos und Currynote, dazu ein paar wenige Nordseekrabben. Ein gutes Entree.

1. Gang – Lachstatar auf Kartoffelrösti mit Salat. Den hab ich noch fotografiert, danach hab ich mich einfach nur noch auf’s Essen konzentriert…

Lachstatar auf Rösti

2. Gang – Seeteufel auf Trüffelrahmnudeln. Ein Gedicht, für mich das Highlight des Essens. Saftig gebratene Medaillons und dazu die sahnig-buttrigen Trüffelnudeln…

3. Gang – Wildconsommee mit Steinpilz-Raviolo. Gute Kraftbrühe, die Nudel gefüllt mit kleinen, festen Steinpilzstücken, die nach mehr schmeckten.

4. Gang – Rehnüsschen in Portweinjus mit Herbstgemüsen und Kartoffelklößchen. Neben dem butterzarten Fleisch ein Turm aus Rosenkohlblättern, ein wenig Rotkohl und obenauf zur Krönung ein Selleriepürree, wie ich es noch nicht gegessen habe. Sehr weiß, sehr fein, fast Schaum, obenauf ein paar gedünstete Apfelwürfelchen. Sehr gut, da kann man zum Vegetarier werden 😉 Aber damit würde ich dem Reh unrecht tun…

5. Gang – Dessert mit Johannisbeersorbet, Nusseis und Mousse au chocolat auf verschiedenen Saucen. Das klassische Multi-Dessert, für das ich persönlich nicht so ein Faible habe, das aber bei den anderen sehr gut ankam.

Abschluss – Espresso und ein Birnenbrand, dessen Hersteller ich leider vergessen habe.

Sterneküche mit Bodenhaftung!

Preis/Leistung
Top! Der Verzicht auf Modisch-Übertriebenes macht sich im Preis angenehm bemerkbar, für ein Fünf-Gänge-Menü in dieser Qualität war der Preis sehr günstig. Zusammen mit dem Zimmer war es ein rundes Paket zu einem sehr guten Preis.

Fazit – Ein Abend wie man ihn selten hat. Wir werden uns noch lange an dieses schöne Ereignis erinnern!

4 Antworten auf „Hotel-Restaurant Hinterding in Lengerich“

  1. Wer braucht noch Fressführer, wenn man in den Foodblogs so individuelle Restaurantberichte findet? So eine kleines, heimeliges Restaurant mit guter, nicht überdrehter Küche und ein paar Zimmern – das ist genau mein Geschmack. Irritierend finde ich nur, dass die persönliche Menükarte bezahlt werden musste. Das habe ich noch nie erlebt.

  2. Eline, ja, das mit dem Menü fand ich auch ein bisschen skurril. Aber irgendwie passte es auch zum Koch, eben eigenwillig etwas anders als sonst. Der Posten fiel dann auf der Gesamtrechnung auch nicht so sehr auf 😉

  3. Was für ein schöner Abend muss das gewesen sein! Solche Restaurants mögen wir auch sehr gerne, und wenn man dann noch vor Ort so schön übernachten kann, steht auch dem guten Weingenuss nichts im Wege. ;))

    Dankeschön für die Verlinkung!

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