Tarte aux Oranges

Ich sympathisiere mit Claus. An Feiertagen, an denen alles besonders toll werden soll, verliert sich oft das entspannte Gefühl des Vor-Sich-Hinkochens, der Flow, weil man ja ERGEBNISSE liefern muss. Und zwar termingerecht, Osterdienstag nützt keinem was, auch wenn dann die Läden wieder aufhaben und man das Material der ruinierten Zubereitung neu kaufen könnte.

Nicht ganz so schlimm war die hier zu beschreibende Tarte, aber immerhin kläglich genug, dass wir sie ganz alleine in den letzten Tagen aufessen mussten, weil man sie leider keinem zeigen konnte.

Tarte im Ofen

Großes Vorbild war die Tarte von Aurélie, die schon aufgrund der schicken Baiserdecke sehr attraktiv ist. Ich begann mit dem Orange Curd. Zur weiteren Verwendung für diese Tarte hier habe ich das schon ein paar Tage vorher fertiggestellt. Sehr lecker und das Gläschen für den Brotaufstrich ist abgenommen. Der Rest ist für die Tarte. Leider nicht ganz so fest geworden, wahrscheinlich etwas zu vorsichtig aufgekocht, das Ei.

Nun kommt der Mürbeteig. Also eigentlich eher ein Sandteig. Kein Zucker, kein Ei, nur

200 g Mehl,
100g Butter
1 Prise Salz und
1/2 Glas Wasser.

Wasser???? Das sehe ich erst, als die Teigkugel schon gerollt und mühevoll in Form gehalten wird. Mist. Na ja, egal, das gleicht sich aus mit der etwas feuchten Creme.

Das Blindbacken geht gut, ich freue mich über den Tipp aus meinem Tarte-Buch, das Backpapier vorher kräftig zu zerknüllen. So kriegt man es gut in die runde Form gelegt und kann seine Kichererbsen-Bohnen-Sammlung darauf drapieren. Nach 10 Minuten bäckt der Boden nun noch ohne Abdeckung weiter, während ich schon mal das Eiweiß schlage.

3 Eiweiß
140 g Zucker (ich nehme gesiebten Puderzucker. Ist feiner).

Was ist das? Plötzlich sieht der Teig aus wie der große Salzsee in Utah! Fatal, nun macht sich doch das fehlende Wasser bemerkbar. Schnell raus aus dem Ofen, und abkühlen lassen.

Risse im Teig

Das Eiweiß hat die Pause nicht gut verkraftet, oder vielleicht ist der Puderzucker schuld? Das Eiweiß wird nicht ganz fest, naja, jetzt geht es nur noch ums Überleben.

Eine erneute Inspiration – Schokolade passt doch gut zu Orangen! Und wenn ich den rissigen Tarteboden mit flüssiger Schokolade bestreiche, repariert sich der Boden von selbst. Genauso wie die Gummikocher es auf der Autobahn mit dem zerbröckelnden Betonplatten machen. Genial. Ich erwärme

70 g Zartbitterschokolade

und pinsele sie auf den bröckeligen Boden. Genauer gesagt, ich versuche es. Die erkaltende Schokolade reißt einige zusätzliche Schlaglöcher in den sehr krümeligen Boden, aber irgendwann ist er dicht.

Schokobelag

So, jetzt schnell die Creme drauf. Das klappt. Nun das Eiweiß in die Spritztüte und die schönen Muster hergestellt. Mit dem ersten Teil (den ich voraussschauend in der Mitte beginne) geht das auch ganz gut. Gegen Ende wird das Material knapp und weich, so dass die Ränder eher aussehen wie Vorgebirge als wie ebenbürtige Gipfel im Vergleich zur Mitte. Zum Glück ist es symmetrisch, also gewollt.

Nun noch kurz überbacken. Bei 100° 20-30 Minuten sagt das Rezept? Das trau ich dem fragilen Gebäck nicht mehr zu und benutze statt dessen den Grill. Das geht auch ganz gut, das Eiweiß bräunt und ich atme auf. Ab in den Kühlschrank, immerhin ist da noch halbrohes Ei drin. Ende gut alles gut.

Baiser

Na ja, bis zum Anschnitt. Entweder das Eiweiß oder die Creme hat sich partiell wieder verflüssigt. Und statt in den Teig zu sickern und ihn so etwas elastischer zu machen, sorgt die stabile Schokoschicht für eine wasserfeste Wanne, auf die so mancher Häuslebauer neidisch schauen würde. Demzufolge haben sich jetzt ein paar Lachen am Rande der Tarte gebildet. Und nicht genug damit, die Form hat einen rausnehmbaren Boden und entlässt die klebrige Flüssigkeit nach und nach in den Kühlschrank, wo sie sich wohlgemut in alle Ritzen ausbreitet.
Mist. Also umpacken, das Stück. Das überlebt sie nun endgültig nicht und wird zu einem windschiefen Stück Mürbekrümel-Orangen-Schoko-Baiser-Pamps.

Der ausgesprochen gut schmeckt übrigens…

6 Antworten auf „Tarte aux Oranges“

  1. Das schichtet man dann ganz nonchalant in ein paar große Dessertgläser, streut ein paar Schokoraspeln drüber und verkauft es in einem teuren Restaurant als Trifle von der Orangentarte. Oder so ähnlich. Hauptsache es war genießbar. 🙂

    1. Evi, genial. Du hast aus Deinem Souffle-GAU gelernt! Wenn ich mal ein Restaurant aufmache, stell ich Dich fürs Marketing ein 🙂

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