Ein Landwochenende ist vorbei

Wie angekündigt, war dieses Wochenende ein Sommerfest mit Freunden in Tornow/Dosse unser Ziel. Das kleine Dorf in der Nähe von Kyritz und sein charmant-unlackierter Gutshof beherrbergt uns nun immerhin zum fünften Mal, jedesmal mit um die 40 Leuten, vom Kleinkind bis zum Rentner sind alle Generationen vertreten.

Gutshaus in Tornow

Gutshof Tornow

Die hochsommerlichen Temperaturen ließen nicht viele Aktivitäten zu. Rumhängen im Schatten der Hofbäume, selbstgemachtes Eis essen, grillen, Fußball gucken (Schland besiegt den Angstgegner Argentinen 4:0) und Schwimmen im Baltikower See stand auf dem Programm. Während des Fußballspiels war alles verwaist:

Fußball...

Ich hab den Fehler gemacht, meine Eismaschine mitzunehmen 😉 Also jede Stunde einmal in die Küche unserer Ferienwohnung und Joghurt mit allerlei interessanten Dingen mischen, in die Eismaschine füllen und nach 60 Minuten in homöopathischen Portionen an die heiß-Hungrigen verteilen. Zum Glück hatte ich einen fleißigen Küchenchef, der Sohn von Freunden war mit Begeisterung bei der Produktion dabei und hat bei der Sortenwahl kräftig mitgemischt. Holunderblütensirup, Erdbeer, Nutella, Banane-Orange und Sauerampfereis sind so entstanden, letzteres das Highlight des Samstags. Daher will ich das Rezept hier nicht vorenthalten:

Sauerampfereis

Eine Handvoll Sauerampferblätter
500 g Biojoghurt, 3,7%, cremig
100 ml Holunderblütensirup

Die Blätter befreie ich von der dicken Mittelrippe und putze sie sorgfältig. Dann mit dem Zauberstab zusammen mit dem Holunderblütensirup pürieren. In den Joghurt rühren und für 60 Minuten in die Eismaschine geben.

Das weitere Essen fiel dem Ambiente entsprechend rustikal-einfach aus. Gegrilltes Wollschweinfleisch und -würstchen, direkt von den Tieren des Hofs, sind immer wieder eine wunderbare Alternative zur Standardkost aus dem Supermarkt. Genug Gemüse gabs zum Leid der echten Griller, aber es passte gut bei der Hitze. Auch der Bierkonsum hielt sich in Grenzen, bei 35 Grad trinkt man doch gerne auch mal ein Wasser…

Grillen am Freitag

Mariniertes Gemüse zum Grillen

Da zum Gutshof auch ein verwilderter Lenné-Park samt Gutskapelle gehört, konnte ich mich auf dem Gelände auch mit Wildkräutern versorgen. Es gab genug Vielfalt zum Üben von Pflanzenbestimmung und auch für den Salat, den ich für Samstagabend noch zubereit habe. Man sieht ihn hier im Bild, er war schnell weg…

Grillen und Salat

Kartoffel-Avocado-Wildkräutersalat
1.5 kg Kartoffeln
2 Avocados
2 kleine Zwiebeln
1 Zitrone
1 gute Handvoll Wildkräuter (hier Giersch, Löwenzahn, Knoblauchsrauke, Gundermann)
100 ml Weißwein
Olivenöl
Senf
Pfeffer
Salz

Die Kartoffeln koche ich als Pellkartoffeln gar. Währenddessen erhitze ich den Weißwein und gebe die in sehr dünne Ringe geschnittenen Zwiebeln und Salz dazu und koche die Zwiebeln kurz, bis sie nicht mehr scharf, aber noch ein wenig knackig sind. Etwas abkühlen lassen, Zitronensaft und Olivenöl dazu, letzteres etwa eine Tasse. Die Kräuter putze ich gut und schneide sie in schmale Streifen. Sie kommen in die Vinaigrette, die gebe ich über die noch warmen Kartoffeln und lasse das Gemisch für 1 Stunde durchziehen. Dann pfeffern, salzen, und den Senf dazugeben, ich nehme ca 1 guten EL.

Dann schäle ich zwei weiche Avocados und schneide sie in grobe Stücke, die kommen vorsichtig in den Salat, dem es nichts macht, wenn er ein wenig zerfällt. Noch einmal mit Salz, Pfeffer, Zitrone abschmecken. Ein wenig Giersch habe ich in ganzen Blättern für die Dekoration übrig gelassen, sie kommen abschließend oben auf den Salat.

am Bioladen

Der Vorteil der hohen Temparaturen zeigte sich abends. Bis spät konnten wir gut draußen sitzen, das Cafe am Bioladen war zur Leseecke umfunktioniert, und wir vergnügten uns nach dem Essen im Dunkeln mit fotografischen Lichtmalereien, wo auch das kochessenz-Bild entstand – praktischerweise bin ich Linkshänder, so fiel es mir nicht schwer, in Spiegelschrift zu schreiben!

Lichtmalerei I

Lichtmalerei II

Und ein kleines Mitternachtsfeuer darf natürlich auch nicht fehlen, zumal die Bar bis zum Schluss besetzt war.

Mitternachtsfeuer

Bar und Grill

Zum Sonntagsfrühstück gab es den traditionellen Marmeladentausch – zu bestellten Brötchen brachte jeder seine selbstgemachten oder gekauften Marmeladen mit, die dann die Runde machten. Erdbeermarmelade, Holunderblütengelee, Traubengelee, Mirabellenkonfitüre, Stachelbeerkonfitüre – alles haben wir mit Begeisterung getauscht 😉 Aber auch Obst und Müsli gab es in vielen Varianten.

Gesundes zum Frühstück

Und schon ist das Wochenende wieder vorbei – schade, man kommt nur kurz zur Ruhe an diesem zeitlosen Ort. Aber in der Erinnerung bleibt er wach, bis zum nächsten Jahr!

Kinderkutsche

7 Antworten auf „Ein Landwochenende ist vorbei“

  1. Die Fotos sind fantastisch. Ihr hattet sicher eine schöne Zeit. Ähnliche Familienfeste machen wir auch, aber nur alle fünf Jahre. Das Sommerhaus bei Münster aus Familienbesitz ist von einem Verwandten übernommen worden. Wenn gefeiert wird, dann richtig.

    1. Da ich keine Personenbilder veröffentliche, kann man leider nicht sehen, wie schön sich der Müßiggang auf dem Hof entfaltet 😉 Und das ist es in der Tat eher als „Feiern“, man treibt so dahin, ruhig, genießend, entspannt, die Kinder toben auf dem Gelände herum, einfach großartig…

      Münsterland klingt auch gut. Ist das Sommerhaus auch für Dritte zugänglich oder nur en famille?

  2. Das mit dem Feiern habe ich vielleicht falsch ausgedrückt. Damit meinte ich keine laute Party. Wir feiern eher so wie in den Astrid Lindgren Büchern. Mit Kochen, Essen, Singen, Tanzen und Lachen. Jeder wie er mag und alle sind dabei.
    Das Waldhaus wird von der Familie seit jeher als Sommerhaus genutzt. Inzwischen hat es ein Vetter ganz übernommen, sodass die Familienfeste überschaubarer geworden sind.
    Die Gegend ist herrlich, es ist in der Nähe von Südlohn.

    1. Ja, 60 km westlich von Berlin, außerhab des Speckgürtels und noch vor der Touristengegend Müritz – absolut ruhig!

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