Der neue Backofen

Der Kauf eines neuen Backofens steht an! Es muss schnell gehen, also suche ich im Internet an den üblichen Quellen. Bisher war ich mit meinem Siemens Backofen der vorletzten Generation recht zufrieden, ordentiches Design und gute Funktionsviefalt bei leichter Bedienung. Und da ja bekanntermaßen Siemens, Bosch, Neff (wer noch?) in Wirklichkeit nur noch Labels auf denseben Geräten sind, fällt die Wahl diesmal auf einen Bosch HBA 78B750.

Die Komanndozentrale

Gesagt, bestellt. Geht ja übers Internet leicht und schnell und ein paar Tage später steht er vor der Tür. “Die Beule ist aber nicht von uns” sagt der Spediteur. “Ist mir egal, bitte vermerken”, sage ich und grummelnd fummelt er sich rückwärts durch das Menü seines mobilen Erfassungsterminals, weil Kundenwidersprüche nicht vorgesehen sind im Programm des Geräts. Ein Zeichen?

Die Beule ist klein und an der unsichtbaren Seite, also auspacken, einbauen, einschalten. Zeit einstellen, sagt mir der Ofen höflich. Ja mach ich gerne. Nur bin ich zu langsam, als ich bei 00:13 angekommen bin, reicht es dem Ofen und ich beschließe, dass ich das auch später noch machen kann.

Und nun? Hm, ich bin immerhin Informatiker und mit DIP-Schaltern und Hexcodes großgeworden, da werd ich doch jetzt nicht anfangen, ein Handbuch zu lesen! Ok, wir haben 7 Tasten, einen Drehregeler, 2 Displays. Die Tasten haben einen schlechten keinen spürbaren Druckpunkt, wie jeder vernünftige Nichtingenieur versuche ich durch erhöhten Druck nicht verfügbare Funktionen zu erzwingen. Die Tasten danken es mir mit Fingerabdrücken und die Frontblende wackelt ein wenig. Sonst tut sich nix.

Es dauert nur 15 Minuten, bis ich rausfinde, dass das zweite Display keins ist, sondern ebenfalls ein Tastenfeld. Schon gelingt es mir, das Licht einzuschalten im Inneren. Erfolg! Und wie wird es jetzt warm da drin? Wahloses Drücken der verschiedenen Tasten, führt zum Starten der Pyrolyse, zeigt “frisches Hähnchen” im Display, und andere interessante Effekte. Die “i”-Taste funktioniert nur manchmal, da wo man gar nicht mehr weiter weiß, tut sie nichts. Hmmmm. Muss ich wirklich? Ok, sieht ja keiner. Also schnell das Handbuch gegriffen und nach 13 Seiten schonender Vorbereitung (ach so – “Nie heißes Geschirr ohne Topflappen aus dem Garraum nehmen”) kommt dann der Punkt “Backofen ein- und ausschalten”.

Aha – es ist ganz einfach:

  1. Power Taste drücken – der Ofen bootet
  2. Betriebsart wählen – Ich lade das Heizauswahlprogramm mit der Taste mit den 3 Punkten
  3. Jetzt kann ich mir mit dem Drehrad aussuchen, was ich Betriebsart nennen würde. Im Standard steht da immer 3D-Heißluft – cool, nein “hot” wäre hier passender. Ich nutze aber meist Ober/Unterhitze, kann man das als Standard einstellen? Nein, leider nicht. Aber zum Glück gibt es die Memofunktion für das Lieblingsprogramm… puh, mir wird warm, dabei ist der Ofen noch nicht beim Heizen angelangt. Geduldig wartet er auf die nächste Taste.
  4. Pfeil-runter-Taste ermöglicht den Wechsel zum Temperaturänderungsmodus.
  5. Hurra, die Zieltemperaturanzeige bewegt sich!
  6. Jetzt nur noch der Doppelklick – Verzeihung, die Play-Taste rechts drücken und der Ofen startet mikrocontrollergesteuert die Aufheizphase, die ansprechend animiert im linken Display zu verfolgen ist – nach Drücken der i-Taste wird sogar die aktuelle Temperatur angezeigt. Beim Erreichen der Zieltemperatur wird ordnungsgemäß gepiept. Sensationell!

Liebe Leser, habt Ihr durchgehalten? Schön. Zur Belohnung erspare ich Euch die Beschreibung, wie man den Timer einstellt. Ich krame aus der Küchenschublade den alten Drehwecker raus, der hat auch so seinen Charme und ist mit einem Handgriff einsatzbereit.

Liebe Hausgeräteingenieure! Wir wollen doch nur kochen! Hat Siemens die Programmerer des stillgelegten Handybereichs in die Backofenabteilung versetzt? Oder hat das Marketing die “Miele hat jetzt auch Untermenüs”-Leier so lange gebracht, bis die Techniker entnervt gebaut haben, was Marketing wollte? Beim vorherigen Siemens-Backofen genügte noch Intuition, jetzt braucht man ein gutes Gedächtnis und Geduld.

Auch hier gilt – weniger wäre mehr, ich freue mich auf die Rückkehr der Drehknöpfe, die gleich alles zeigen, was sie zu bieten haben. Von mir aus auch als iPhone-App zur Fernsteuerung des Ofens, die sind wenigstens noch durchdacht designt. Und, liebe Ingenieure, auf die 68 Programme zur Zubereitung verschiedenster Fleischgerichte kann man getrost verzichten. Druckt lieber ein paar food blog-Links in eure Anleitungen, damit tut ihr Euren Kunden einen besseren Gefallen…

Bei allem Gemecker – heizen tut er gut! Und mit der Memo-Taste kann ich nun sogar Ober-/Unterhitze mit nur zwei Doppelklicks einstellen…

31 Antworten auf „Der neue Backofen“

  1. Mit dem Handy könntest Du u.U. recht haben.
    Was mich gerade zu der Frage bringt, ob da vorgefertigte Baugruppen verwendet werden.
    Ober-/Unterhitze nicht als Standard ist ja schon ein wenig … an der Zielgruppe vorbei?

    Irgendwie macht mir das Angst, ich brauche ja auch irgendwann eine Waschmaschine … und ja, einen Backofen auch …

    1. Da gibt es was von Bosch-Siemens – das zentrale Kommandogerät. Mit dem kann man alles machen. Ferngesteuert. Echt cool, sogar die Schutzschlde kann man von da aus steuern. Man braucht dann nur noch so einen Sessel wie Captain Kirk.

      1. Dann bin ich ja beruhigt. *ggg*

        (Mir lag eh schon der Kommentar “Und in der nächsten Folge sehen Sie, welche Vorteile ein selbstgebauter Backofen hat” auf der Zunge … einem meiner Physikerkollegen traue ich das durchaus zu, so ein Teil selbst zu bauen.)

  2. Das denke ich wenn jedes Mal wenn ich Backofen oder Herd benutze. ICH WILL KKOCHEN!!
    Dabei tut es der Herd oder Ofen. Der Herd regelt mit einer sich mir nicht erschließenden Automatik die Temperatur rauf und runter. Bei voller Pulle habe ich letztens kaum geschafft ein Ei in der Pfanne zu braten… Dann wieder gibt es Tage, wo mir der Kram in der Pfanne beinahe verbrennt.

    Der Herd ist auch ein Kuriosum ansich. Es gibt Momente, da ist er auf 180°C Umluft eingestellt und heizt nicht höher aus 50°C. Drehe ich dann auf z.B. 160°C macht er plötzlich was man ihm sagt.

    Ich will einen Gasherd und einen Holzofen! Da weiß man was man hat.
    Und einen kleinen Küchenwecker in Form einer Birne habe ich auch. Die Zeituhr im Herd kann nur mein Liebster, der auch Informatiker ist, bedienen.

    1. Naja, eine exakte Temperatursteuerung ist schon nicht zu verachten, genauso wie ein ordentliches Licht im Ofen und die Selbstreinigung… nur das verkorkste User Interface muss weg…

    1. Ja, Waschmaschinen sind ja sowieso keine ordentliche Technik, sonst würden Männer sie verstehen 🙂 Aber ich hab dasselbe Problem da auch. Wobei ich da eher den Verdacht habe, dass der Handbuchredakteur nichts konnte…

  3. Mir geht es ähnlich, ich habe 4 Wochen lang ein Handy gesucht, dann 14 Tage lang versucht dieses Teil zu verstehen …. wir stehen kurz vor der Trennung 🙁
    Ich wünsche dir viel Spass mit dem neuen Backofen!

  4. Wir haben uns vor 2 Wochen einen neuen Herd/Backofen zugelegt. Nach nur kurzer Überlegung wurde es ebenfalls ein Siemensgerät. Allerdings aus der “Meisteklasse”, d. h. jedes Teil ist noch original “made in germany”. Und auch in Deutschland montiert. Nicht nur die letzte Schraube, um das begehrte “made in germany”-label zu erhalten. Das hat zwar zugegebenermaßen seinen Preis, hat uns aber schon vor Jahren bei Wasch- und Spülmaschine von der Qualität überzeugt. Keine blöden Bedienungsanleitungen, ein tip-top-Service drumherum von der Kaufberatung bis zur Lieferung in die Küche.
    Jederzeit wieder und niemals einen anderen!
    Wir brauchen bald einen neuen Kühlschrank. Der wird sicher ein Siemens! 🙂

    1. AT, dann schau genau hin,,,
      Ironie 1: Ich hab mir sogar einen Backofen im Laden angesehen vorher, wollte eigentlich auch wieder ein Siemens-Gerät, aber da war das Menü eher noch schräger.
      Ironie 2: Bosch- und Siemens-Geräte kommen aus dem selben Werk in Berlin.
      Ironie 3: Mein letzter Kühlschrank war ein Siemens, dem hat dann ein Lego-Kühlschrankmagnet die Steuerung betäubt und beim Versuch, sie zu reanimieren hat der Wartungstechniker kurzerhand den Kompressor zerstört… Jetzt hab ich einen Liebherr und bin mindestens ebenso zufriedden wie mit dem Siemens 🙂

      1. gerade mal so vierstellig, und Lieferung heißt “bis Bordsteinkante”, was der Spediteur großzügig 1 m Richtung Haustür verlängerte. 3 Stockwerke hochtragen war nicht schön, aber es ging noch alleine. Einbau heißt hier in meiner alten Küche in die passende Öffnung schieben und Stecker einstöpseln. Es ist eine Anleitung dabei, sollte nicht zu schwer sein in einer “richtigen” Küche

    1. Wahrscheinlich gibt es noch ein unentdecktes Feature dabei, ich würde es jetzt einfach mal “Umluft” nennen… Ach wär ich doch im Marketing…

  5. Oh, das wäre ein schönes neues Spielzeug für meinen Nerd…. Damit kann ich ihn lange beschäftigen… Aber noch tut’s der alte Miele-Herd, der in der Küche drin war…

  6. Ich kann mich köstlich amüsieren. Was ist die Technik doch für ein Leiden! Gebrauchsanweisungen lesen ist so meine allerliebste Lieblingsbeschäftigung. Ich behalt mein Zeug meistens bis es fast auseinander fällt. Ich gehe dann auch ins Geschäft, lass mich dort beraten und lass mir auch noch zu Hause das Ganze erklären. Ist doch sooo einfach.

    1. Ja, die beste Strategie ist wahrscheinlich wirklich, ein paar Generationen zu überspringen. Nur kann es Dir dann auch mal so ergehen wie mir neulich in einem Subway-“Restaurant” – ehrlich es gab nichts anderes in der Nähe! Ich kam mir unglaublich alt vor, und der Bedienung auch, weil ich einfach GAR NICHTS verstanden hab von dem was sie mir da erzählt hat. Fluch der ewigen Erneuerung…

    1. Vielleicht nutz ich die vielen Programme mal, um mein TK zu entrümpeln 🙂 Es gibt sogar Bratprogramme für gefroreren Hühnerkeulen, grossartig, nicht?

  7. Pah, ich hab gefrorene Hühnerkeulen im Tiefkühler! 😉 Immer her mit dem Ding, wenn du ihn leid bist. 😉 Ich bin übrigens auch Bedienungsanleitungsleserin, von Herzen. Ich glaub wir könnten Freunde werden, dein Ofen und ich. 😀

    1. Naja, den Backofen braucht man ja nicht so oft wie das Kochfeld, von daher gehts. Ich würde mir nach diesen Erfahrungen jedenfalls nur noch vorprobierte Geräte kaufen. Am besten macht man sich vorher eine Liste der Anwendungen, die man am häufigsten hat und spielt die durch.
      Die aktuellen, besseren Siemens- und Miele-Backöfen sind übrigens noch viel schlimmer…

  8. musste gerade sehr schmunzeln, weil wir a) vor wenigen wochen am neuen backofen meiner mutter (miele supertolleoberklasse) ähnlich lange auf einem feld herumgedrückt hatten, das gar nicht dafür gedacht war und wir b) genau aus diesen gründen vor zweieinhalb jahren einen simplen neff backofen zwar mit edelstahlblende aber OHNE irgendwelche zusatzprogramme gekauft hatten. der heizt brav und schön gleichmäßig bis 270 grad (das war mir wichtig) und außer ober-/unterhitze, heißluft und grillen kann er nix. passt perfekt.

    1. ja da hast Du es wohl richtig gemacht 😉 Ist man ja auch selber Schuld, wenn man alle diese Features haben will. Zumal ja im Neff auch gute Bosch-Siemens-Heiztechnik drinsteckt, es ist wahrscheinlich bei allen Modellen dasselbe Heizgerät…

      Wahrscheinlich kommen die dann mal irgendwann ohne Schnickschnack von Manufactum als Classic Edition mit Drehknöpfen (!) aus Porzellan (!!) für einen ordentlichen Aufpreis…

  9. ja, aber mit einem einzigen drehknopf aus porzellan, zwei wären schon zu viel.
    und das mit bosch-/siemens-technik hat mir die frau küchenstudio auch gesagt, hatte es aber vergessen.

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