Kochcluburlaub in Brensbach

Exhausted but energized – ein anregendes Kochwochenende mit dem XING-Kochclub liegt hinter mir.

Brennnessel für die Pasta

Gemeinsam mit 16 anderen Unerschrockenen und zwei Kindern verbrachte ich die Zeit von Donnerstag abend bis Sonntag Mittag auf dem idyllisch gelegenen Weberhof, der normalerweise als Bauernhof-Urlaubs-Kinderparadies von sich reden macht. Genaugenommen liegt der Hof nicht in Brensbach, sondern in Brensbach-Affhöllerbach, was klar machen sollte, dass er weit ab vom Alltagstrubel ist… Dank vieler Ferienwohnungen und einem großen Aufenthaltsraum mit Küche bot sich die Lokalität auch für das seit langem geplante Gruppenevent an. Die Kinder haben wir die ganze Zeit über praktisch nicht mehr zu Gesicht bekommen, dank „der Katrin“ -das ist die Hofherrin- wurden sie mit genug Abenteuern versorgt, dass wir uns unseren eigenen widmen konnten.

Los ging es nach Ankunft der einzelnen Teilnehmer mit Begrüßung und Hofbesichtigung (unter besonderer Würdigung der zahlreichen Tiere – Hasen, Schweine, Ponies, Hühner, Enten, Gänse, Ziegen, 1 Schaf, 1 Hund…) am Donnerstag abend mit einem gemeinsamen Essen beim örtlichen Italiener. Kein Sensationsmenü, aber uns hat’s im Wesentlichen geschmeckt. Es ging ja auch mehr um’s „Aufwärmen“, das gute Essen wollten wir ja selber kochen. Das Wetter war noch schön, so konnten wir lange draußen sitzen.

Freitag Morgen dann der Start des offiziellen Programms. Ein Besuch in der Hofkäserei am Schlossberg in Beerfelden-Gammelsbach, ein engagierter Ein-Frau-Betrieb, der sich gegen viele Widerstände in mehr als 10 Jahren zum erfolgreichen „Garagenbetrieb“ gemausert hat. Nicht alle von uns waren dabei, so passten wir gerade in die Räumlichkeiten, versehen mit Schutzkleidung, wie es sich gehört. Und so konnten wir unseren Käse selber ansetzen, begleitet von den fachkundigen Erklärungen von Heidi Trumpfheller. Neu war für mich, dass das „Nebenprodukt Molke“ um die 80-90% der eingesetzten Milch ausmacht und zum echten Sorgenkind wird. Die Molke darf nicht in die Kanalisation entsorgt werden, so bleibt nur Sondermüll oder verdampfen, eintrocknen und in Tütensuppen u.ä. geben. Wenn man sich mal die täglich produzierten Käsemengen vergegenwärtigt, kann man sich vorstellen, wie groß die dazu passenden Molkepulverberge werden!

Werdender Käse

Fleißig in der Käserei

Den hergestellten Käse konnten wir nicht mitnehmen, da er noch einige Tage reifen muss. Wir bekommen ihn nachgeschickt. Aber zum Trost konnten wir aus der Käsereiproduktion probieren – Raubritter (eine Fetaart aus Kuhmilch mit Kräutern) und Kochkäse (wohl der Ursprung des Schmelzkäses? Es handelt sich um mit Natron behandelten Frischkäse, der gummiartig wird und gut bindet – wie Schmelzkäse. Ich war sehr angetan). Auf dem Rückweg noch schnell ein paar Forellen für den Grill besorgt und dann zurück zum Hof.

Abends dann Grillen mit selbst gebackenem Brot, Salaten, gebackenem Gemüse und verschiedenen Salsas – wir waren schon recht produktiv an diesem ersten Tag!

Gemüse auf Salsa

Steaks

Kartoffelbrot "ohne"

Samstag war dann unser fleißigster Tag. Morgens nach dem Frühstück führten die angehenden Kräuterpädagogen Andrea und ich die Gruppe 2 Stunden durch die nähere Umgebung, um Essbares für die Pastavariationen zu finden, die wir uns vorgenommen haben. Nach dem warmen Mai und einigem Regen in den letzten Tagen wurden wir fündig. Giersch, Knoblauchsrauke, Gundermann, Brennnesseln, Sauerampfer, Schafgarbe, Wiesenbärenklau und vieles mehr kreuzte unseren Weg und wurde in kleinen Dosierungen mitgenommen. Die Führung war unsere Premiere, kam gut an und macht Mut zu mehr 🙂

Ab Nachmittags dann die große Pastaschlacht – wir produzierten Pici (handgedrehte Spaghetti), Spargelravioli, Brennessel-Tagliatelle und Kräuter-Lachs-Lasagne, dazu Ragout, Pesti, Saucen, nochmal Brot, weil es uns so gut geschmeckt hat. Zwischendurch machten wir noch Vanilleeis und Rhaberber-Baiser-Blätterteigpasteten – alles gehaltvoll, aber lecker. Am Ende stellte sich eine gewissen Müdigkeit ein – vielleicht war es ein bisschen viel auf einmal? Aber wir haben tapfer durchgehalten und wurden mit tollen Nudelgerichten aus Gemeinschaftsproduktion belohnt! Mein Fotografieren kam etwas zu kurz – die Finger steckten meist in irgendeinem Teig und zu guter Letzt gab auch noch die SD-Karte auf. Ich habe zum Glück mit photorec die meisten der Fotos restaurieren können – besser als mit allen anderen probierten Tools.

Rhabarber und Eierresteverwertung

Pici in spe

Pici

Lange Lasagne

Zum Schluss noch Sauerampfereis, dann konnte der Abend mit Wein und Bier ausklingen…

Am nächsten Morgen noch einmal ein ordentliches Frühstück, dass wir für jeden Tag beim Weberhof geordert haben – und dann setzte sich die Karawane langsam wieder in Bewegung.

Es ist erstaunlich, wie in so kurzer Zeit aus so vielen verschiedenen Leuten ein gemeinsames Team wurde – wir haben uns gut verstanden, viel miteinander gelacht und „am Genuss gearbeitet“. Der allgemeine Tenor war – das machen wir nächstes Jahr wieder!

Brot und Wein

Ach ja, die weiteren Rezepte? – die folgen später 😉

2 Antworten auf „Kochcluburlaub in Brensbach“

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